17. November 2019
19. Heshvan 5780

G'ttesdienste

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180_nachamaEstrongo Nachama war – jedenfalls nach meiner Ansicht – die Gemeinde schlechthin, und er war das wichtigste Bindeglied zwischen Jüdischer Gemeinde und nichtjüdischer Umwelt. Juden wie Nichtjuden in ganz Deutschland kennen seine Stimme und werden sich seiner erinnern, wann immer sein Name genannt wird. Ich – und das will ich in dieser Gedenkstunde betonen -, der ich aus der „ehemaligen DDR“ komme, wie man heute sagt, empfinde gegenüber Nachama eine besondere Dankbarkeit, nicht nur deshalb, weil er auch unser Leben bestimmt hat, als er meine Frau und mich im März 1988 in dem kleinen Kulturraum der Ostberliner Jüdischen Gemeinde – dem Raum, in dem der Kanadier zu Kol Nidre 1977 gepredigt hat - traute.
Den damals zu unserer Hochzeit amtierenden Rabbiner konnte man schon gleich vergessen. In meiner Erinnerung ist nur Estrongo Nachama geblieben, der diese Zeremonie erst würdig gemacht hat.
Estrongo Nachama war es, der neben Rabbiner Ernst M. Stein (er amtierte hier 1980-1994) die Einheit der Berliner Gemeinde(n) erhalten hat oder sie vielleicht durch seine Präsenz in beiden Hälften der Stadt im Januar 1991 wieder hat möglich werden lassen.
Es war der aus Saloniki stammende Kantor, der die meines Wissens von Leo Gollanin (1872-1948) gelernten Melodien des deutschen Juden Louis Lewandowski (1821-1894) für eine Generation vor dem Vergessen bewahrt hat, gemeinsam mit allen anderen Kantoren dieser Synagoge: Edmund Lehmann, Leo Roth, Laszlo Pasztor, Günter Ruschin, Isaak Sheffer, Simon Zkorenblut und Jochen Fahlenkamp. Ein Verdienst, das nicht laut genug zu loben ist.
Unterstützt wurden die Kantoren von den Organisten Artur Zepke – einst in der Oranienburger Straße -, Harry Foss und der Organistin Gloria Seipelt.
Dass Leuchter der ehemaligen Reformsynagoge in der Johannisstraße hier ihre dauernde Heimat nach der Zerstörung dieser Synagoge gefunden haben, sei in diesem Zusammenhang erwähnt.
Zahlreiche Rabbiner haben hier zum Segen dieses Hauses gewirkt. Wir erinnern in dieser Stunde an Cuno Lehrmann, Nathan Peter Levinson – ein Freund meiner Mutter aus beider früher Kindheit - an Manfred Lubliner und Ernst Ludwig Ehrlich, der erst vor wenigen Wochen von uns gegangen ist.
Meine Aufzählung der Kantoren und Rabbiner ist nicht vollzählig. Der Synagogenvorstand hat eine Liste aller Funktionsträger sel. A. zusammengestellt; auch die hier tätigen Gabbaim sind genannt.
Diese Zusammenstellung kann nicht 100%ig korrekt sein, in gewisser Weise ist sie ein work in progress. Die Aufstellung sollte aber eines Tages vollständig sein, denn wir müssen uns an die 60 Jahre unserer Geschichte erinnern.
Diese Geschichte darf nicht der Vergessenheit anheim fallen oder gar in den Alltagsquerelen unserer Gemeinde untergehen.
Wir sind es den Menschen, die in der Pestalozzistraße in jüdischer Treue und Verantwortung gewirkt haben, schuldig. Wir sind es dieser Synagoge um ihrer Zukunft willen schuldig. Wir sind es all denen schuldig, die an die Zukunft dieser Synagoge geglaubt haben. Diese Zukunft gibt es, ja muss es geben, auch wenn sie wie alle Zukunft offen ist.