25. November 2017
7. Kislev 5778

 

Buchempfehlung

buch_coverr

G'ttesdienste in der Winterzeit

Erew Schabbat: 18.00 Uhr
Schabbat Morgen: 9.30 Uhr

Louis Lewandowski wirkte 24 Jahre lang an der Oranienburger Straße und konnte in dieser Zeit seine Vorstellung von der Kantor-Chor-Orgel-Tradition weiter entwickeln.
Diese Form des G’ttesdienstes wurde bis zum Ende der 30er Jahre (letzter G’ttesdienst 30.3.1940) weitergeführt, zuletzt durch den Organisten D. Altmann, der 1936 emigrierte, und Artur Zepke, einen katholischen Organisten, der 1925-1935 die G’ttesdienste begleitete. Zepke durfte als Nichtjude nach 1935 nicht mehr für die Jüdische Gemeinde arbeiten. Es fanden noch bis in die 40er Jahre G’ttesdienste statt, die Zepke teilweise heimlich begleitete.
Die große Orgel-Chor-Tradition der Neuen Synagoge wurde nach dem Krieg in der Synagoge Pestalozzistraße weitergeführt.

Dass diese Tradition fast ungebrochen bis zum heutigen Tag aufrecht erhalten werden konnte, verdanken wir vor allem dem Organisten Artur Zepke, der von 1946 bis zu seinem Tod 1971 wieder als Organist tätig war, sowie Oberkantor Gollanin, der vor dem Krieg Kantor in der Oranienburger Straße gewesen war und sein Wissen und Können an unseren unvergesslichen Oberkantor Estrongo Nachama weitergab.
Harry Foss war erst Chorist in unserer Synagoge, in den 60er Jahren Vertreter Zepkes und wurde 1971 dessen Nachfolger. Nach seinem Tod führte seine Vertreterin und seit den 60er Jahren engagierte Choristin Gloria Seipelt die Tradition weiter, die sie von Zepke und Foss gelernt hatte.
Seit 1998 bin ich, ebenfalls ehemalige Choristin, Organistin und Chorleiterin in der Synagoge Pestalozzistraße. Nach diesem Rückblick, der die historisch so bedeutende Entwicklung des jüdischen Orgel- und Chor-G’ttesdienstes nur skizziert, wird deutlich, welche Bedeutung die Bewahrung dieser Tradition gerade in der Synagoge Pestalozzistraße in Berlin hat, einer Stadt, in der vor dem 2. Weltkrieg in 12 Synagogen die Orgeln am Schabbat erklangen.
Einige Klangbeispiele hören Sie hier: http://www.louis-lewandowski-festival.de/klangbeispiele