25. November 2017
7. Kislev 5778

 

Buchempfehlung

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G'ttesdienste in der Winterzeit

Erew Schabbat: 18.00 Uhr
Schabbat Morgen: 9.30 Uhr

von Dr. Joachim G. Jacobs

Von ihrer Errichtung 1912 bis in die Zeit der Weimarer Republik war das Zusammenleben der Synagoge Pestalozzistraße und der Beterschaft mit ihren Nachbarn meist spannungsfrei. Dennoch ging unter den Kindern der nicht-jüdischen Nachbarschaft die Greuelgeschichte, dass „bei den Juden” Kinder getötet würden. Nach 1933 ging die Saat solcher Verleumdungen auf: In der Pogromnacht legten SA-Männer Feuer in der Synagoge. Durch schnelles Eingreifen der Feuerwehr wurde ein großer Brand jedoch vermieden. Der verwüstete Innenraum wurde zunächst nicht wieder instand gesetzt.
In einem Brief an die Baupolizei Charlottenburg im Juni 1939 fragte das Büro des Oberbürgermeisters an, ob nicht „die Vorderhäuser des Grundstücks durch Abriss der Synagoge besser belichtet und belüftet würden.“ Aus nicht bekannten Gründen lehnte die Baupolizei ab.
Obwohl nun keine G’ttesdienste mehr stattfanden, wurde die Pestalozzistraße 14/15 mehr und mehr zum Zufluchtsort für die durch den verstärkten Staatsterror und feindlichere Haltung vieler „Mitbürger” bedrängten Juden.
Seit 1930 hatte im Vorderhaus eine Armenküche bestanden. Im August 1935 wurden Schulräume eingerichtet für Kinder, die die staatlichen Schulen hatten verlassen müssen. Im Mai 1939 wurde ein Geschäft zu Wohnzwecken umgebaut für aus ihren Wohnungen vertriebene Juden.
Im April 1941 ist dann ein schwerer Eingriff in die Synagoge zu verzeichnen: Im Westflügel wurden Waschmaschinen für die jüdischen Heime der Stadt aufgestellt. Kurz danach wurde die Gemeinde gezwungen, hebräische Inschriften, Tafeln und Embleme aus dem Synagogeninneren zu entfernen. Wie durch ein Wunder blieben allerdings die drei bleiverglasten Fenster in der Kuppel erhalten und wurden auch im Krieg nicht sehr beschädigt.

180_cohnDer Schriftzug „Ausf. L. Cohn. Berlin.” weist noch heute den Schöpfer von Berlins wohl einzigen original erhaltenen Synagogenfenstern aus.
Am 26.9.1941 enteignete die Stadt Berlin die Grundstücke. Danach wurden sie unter anderem als Pferdestall genutzt. Der Hinterhof des Nachbarhauses wurde zur Sammelstelle für in die Vernichtungslager zu deportierende jüdische Menschen.
Das Bombardement der Alliierten beließ die Synagoge, wie durch ein Wunder, fast unbeschädigt. Die wenigen Juden, die die NS-Zeit versteckt oder in sog. „Mischehen” überlebten oder als DPs nach Berlin zurückkamen, bildeten bereits im Sommer 1945 eine neue Jüdische Gemeinde.