17. November 2019
19. Heshvan 5780

G'ttesdienste

Erew Schabbat: 19.00 Uhr
Schabbat Morgen: 9.30 Uhr

Buchempfehlung

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Da die Synagoge in der Fasanenstraße zerstört war, wurde die Synagoge Pestalozzistraße zunächst provisorisch wiederhergerichtet. Lilli Nachama be-schreibt diese Zeit: „Das jüdische Gemeindeleben begann rasch wieder, schon 1945/46. Terror und Druck ließen uns enger an unsere Religion anschließen. Das erlebte ich in der Pestalozzistraße im kleinen Vorraum, der jetzt nur zum Kiddusch benutzt wird. Dort waren Stühle und ein Bullerofen aufgestellt. Das war der Beginn an einem Freitagabend. Die Hauptsynagoge war im Inneren noch zerstört, sie war als Pferdestall verwendet worden. Das ganze Gestühl war weg. Als ich das erste Mal in die Synagoge ging, war Estrongo noch nicht Kantor, da hat er im Chor mitgesungen und geholfen, Holz ranzukarren. Kantor wurde er erst 1947.“
180_kidraum1947 war die eigentliche Synagoge, da keine Bestuhlung mehr vorhanden war, mit einfachen Gartenstühlen ausgestattet worden. Zu Rosch Haschana wurde sie wieder eingeweiht.
Aus einem zeitgenössischen Artikel über die Feierlichkeit: „Am Vorabend des Neujahrstages konnte im Beisein vieler Ehrengäste die Synagoge in der Pestalozzistraße wieder ihrer g’ttesdienstlichen Bestimmung übergeben werden. Die Feier wurde mit Orgelspiel eingeleitet. Sodann wurde das Ewige Licht durch Prediger Riesenburger entzündet und Kantor Nachama brachte das „Schechejanu” zu Gehör. Darauf wurden von verdienstvollen Gemeindemitglie-dern die Thora-Rollen eingehoben. Prediger Klein sprach dazu ein Gebet. Zwei Gedenktafeln, die an die Zerstörung der Synagoge und den Tod von sechs Millionen Juden mahnen, wurden durch die Herren Busch und Glückstein enthüllt. Das Vorstandsmitglied Fritz Sachs, das in Zusammenarbeit mit Alexander Rothholz den Wiederaufbau ermöglicht hatte, begrüßte in einer kurzen Ansprache die Anwesenden und dankte allen, die am Werke mitgeholfen haben. Nach der Festpredigt Riesenburgers, der die Weihe vornahm, überbrachte Dr. Friedensburg die Glückwünsche der Stadt Berlin. In seinen Ausführungen kam er auf das Wiedergutmachungsproblem zu sprechen und betonte, dass die Verpflichtung zur moralischen und materiellen Entschädigung anerkannt würde. Namens des Vorstands der Jüdischen Gemeinde nahm Dr. Fabian die Synagoge in Obhut. Er verwies dabei auf die schwierige Lage, in der sich heute die Jüdische Gemeinde befände, und betonte, dass städtische Hilfe unbedingt erforderlich wäre, da die jüdischen Mittel nicht ausreichten. Alles bisher Erreichte sei aus eigener Kraft geschaffen worden. Damit schloss der feierliche Einweihungsakt und der G’ttesdienst des Neujahrsfestes begann.“

1 Jüdische Berliner – Leben nach der Schoah, U. Eckhardt, A. Nachama. Berlin 2003.
2 Der Weg, Nr. 38, 1947; Sammlung Nachama.

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